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Film der Woche: 

Anleitung zum Glücklichsein

03. Jul 2008 07:27
Poppy (Sally Hawkins) ist immer gut drauf
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Oberflächlich betrachtet ist «Happy-Go-Lucky» nur eine banale Komödie. Mike Leighs preisgekrönter Berlinale-Beitrag über die chronisch gut gelaunte Grundschullehrerin Poppy ist jedoch in Wirklichkeit viel mehr. Julia Wilczok über eine Ode an die Freude.

London, zwei neurotische Frauen und scheinbar ganz alltägliche Vorkommnisse. Die Grundzutaten zu Mike Leighs Komödie «Happy-Go-Lucky» erinnern stark an einen anderen Film des Meisters des New British Cinema, nämlich an «Karrieregirls» aus dem Jahr 1997. Darin bewohnten ebenfalls zwei spleenige Wahllondonerinnen zusammen ein runtergekommenes Brownstone in der Metropole an der Themse. Auch zehn Jahre nach «Karrieregirls» bleibt Regisseur Leigh seinem Credo Realismus treu, jedoch ist «Happy-Go-Lucky» um einiges weniger zynisch als viele seiner Vorgänger.

Auf Deutsch bedeutet der Titel so viel wie «sorglos» und charakterisiert perfekt Leighs Protagonistin: Grundschullehrerin Poppy (Sally Hawkins) scheint der positivste Mensch der Welt zu sein. Sie ist so gut gelaunt, dass es fast weh tut und dass, obwohl sie dreißig Jahre alt und Single ist. Mit ihrer besten Freundin Zoe (Alexis Zegerman) teilt sie seit über zehn Jahren ein kleines Häuschen im Norden Londons. Wenn Poppy nicht unterrichtet, geht sie Trampolin springen, Flamenco tanzen oder zieht mit ihren Freundinnen um die Häuser.

Aber auch in Poppys Leben scheint nicht jeden Tag die Sonne. Das Böse tritt ihr in Form ihres Fahrlehrers Scott (Eddie Marsan) entgegen, ein chronisch miesgelaunter, verbohrter Zeitgenosse, der sich überdies als Rassist und Stalker entpuppt. Verzweifelt versucht er, seine aufgekratzte Schülerin mittels einer kruden Fahrübung namens «Enrahha» zu einer guten Autofahrerin zu machen. Das Unterfangen misslingt und gipfelt im Eklat. Doch nicht genug der bad vibrations. Während eines Wochenendbesuchs bei der Schwester, die mit Mann und Babybauch außerhalb der Großstadt in einem beschaulichen Reihenhäuschen wohnt, muss Poppy sich gegen geballte Kleinbürgermoral zur Wehr setzen. Warum sie, die ältere Schwester, mit Dreißig immer noch Single sei, in der Stadt wohne und sich jeden Abend amüsiere, will die Schwester wissen. Torschlusspanik ist jedoch ein Fremdwort für Freigeist Poppy, wie auch ihr Trinkspruch verdeutlicht: «Auf unser Leben und alle, die darin ertrinken!»

Zu bunt, zu laut, zu grell

Zunächst ist man ein wenig geschockt von dieser etwas chaotischen Frau. Poppy ist einfach too much. Ihre Kleidung ist zu bunt, die zahllosen Silberarmreifen klimpern zu laut, sie kreischt zu grell. Etwa zur Halbzeit des Films schlägt dieses Gefühl jedoch um und man beginnt sie zu lieben, denn hinter der knalligen Oberfläche versteckt sich ein riesengroßes, warmes Herz. Selten hat man einen so positiven und hilfsbereiten Menschen in der Realität getroffen. Poppy ist der Gegenentwurf zu all den verbissenen, schlechtgelaunten Großstädtern da draußen. Sie gibt Mike Leighs Wunsch nach mehr Menschlichkeit ein Gesicht.

Dieses Gesicht gehört in der Realität zu Schauspielerin Sally Hawkins, die zuletzt in Woody Allens Drama «Kassandras Traum» in Erscheinung getreten ist. Für die Rolle der Poppy wurde Hawkins auf der Berlinale mit dem Silbernen Bären für die beste Darstellerin ausgezeichnet. Völlig zu Recht. Brancheninsider sagen der zierlichen Britin nun sogar Oscar-Chancen voraus, dabei haben es Komödien vor den Augen der strengen Academy meist eher schwer.

«Happy-Go-Lucky» ist jedoch mehr als eine banale Komödie. Allerdings offenbart sich die Botschaft hinter Poppys oberflächlicher happiness erst relativ spät. Es geht um den Weg zum persönlichen Glück. Um das zu erlangen bedarf es Feingefühl und viel Optimismus. Im Fall von Leighs Protagonistin kommt das große Glück unverhofft daher. Das bunte Leben von Poppy - nach diesem Film möchte wohl so manch einer darin ertrinken.

«Happy-Go-Lucky» - Trailer:


 
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