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Grace Jones – «Hurricane»: 

Dein Kopf auf ihrem Silberteller

12. Nov 2008 07:48
'Hurricane' von Grace Jones
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Das letzte Album von Grace Jones liegt 19 Jahre zurück, die Hochphase ihrer Karriere ein viertel Jahrhundert. Ihre neue Platte «Hurricane» mag nicht ihre beste sein, doch Jones ist immer noch eine der schillerndsten Gestalten in der Musikwelt, findet Julia Wilczok.


Eine Amazone ist sie, auch mit mittlerweile 60 Jahren. Grace Jones, die Kühle, Androgyne, über deren wahres Geschlecht Journalisten angeblich bis heute nicht 100-prozentige Klarheit haben wollen. Jones selbst, die gerade erst in der vergangenen Woche einmal wieder beteuerte, unter ihren Unisex-Outfits wahrhaftig eine Frau zu sein, genießt auch nach all den Jahren das Spiel mit den Rollenbildern.

Grace Jones
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Ein wenig angsteinflößend mag die Künstlerin auch nach beinahe 20-jähriger Kunstpause noch wirken. Dafür sorgen nicht nur die teils gespenstischen Elektro- und Synthesizer-Beats ihres Comeback-Albums «Hurricane», sondern vor allem die doppeldeutigen Texte. So singt sie im Song «Corporate Cannibal»: «Pleased to meet you / Pleased to have you on my plate» (zu deutsch etwa: Schön, Sie auf dem Teller zu haben), um im Refrain der Grabesstimme ein dröhnendes «I’m a man eating machine» zu entlocken.

Dass sich hinter diesen Zeilen Kapitalismus- und Globalisierungskritik verbirgt, ist nicht sofort ersichtlich. Kein Wunder also, dass Grace Jones’ künstlerisches Schaffen häufig für Missverständnisse sorgte. Feministinnen gingen auf die Barrikaden, als Jones sich für eine Aufnahme von Fotografenlegende Helmut Newton in Ketten legen ließ. Und die Männer? Die fürchteten schlicht um ihre Männlichkeit. Für die Achtziger-Ikone selbst war und ist das alles nur ein Spiel. Immer wieder beteuerte sie, gar nicht so exzentrisch zu sein, wie es Presse und Fans gerne von ihr hätten.

Einen Rest von Alienhaftigkeit wird Jones trotzdem nicht los. Damit das auch so bleibt arbeitet sie weiter fleißig am Image der Unberührbaren. Beispielsweise im Video zu «Corporate Cannibal». Darin werden Jones’ Gesicht und Körper permanent zu grotesken Formen verzerrt, sie fließt davon wie ein Strom schwarzen zähflüssigen Öls. Die Aussage dahinter lautet - diese Frau ist nicht zu fassen, in keine Schublade zu pressen. Kaum glaubt man, hinter die Fassade blicken zu können, tut sie schon wieder etwas völlig Unberechenbares. Somit macht sie sich selbst zum Star der alten Schule und erinnert an eine Zeit, in der das Leben von Prominenten noch nicht minutiös auf Blogs kommentiert wurde, und sich um Berühmtheiten noch Mythen rankten. Der Mythos Grace Jones ist jedenfalls auch nach vielen Jahrzehnten ungebrochen.


Video zu «Corporate Cannibal» bei YouTube

 
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