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Höchste Auszeichnung für Mediziner: 

Deutscher Krebsforscher erhält Nobelpreis

06. Okt 2008 11:57, ergänzt 13:13
Ist vom Preis überrascht: Harald zur Hausen
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Knallende Sektkorken am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg: Dem Mediziner zur Hausen wird für seine Entdeckung von Krebs-Viren der Nobelpreis für Medizin verliehen. Dank seiner Forschung konnte ein Impfstoff entwickelt werden.

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an den deutschen Krebsforscher Harald zur Hausen sowie an die französischen Aidsforscher Françoise Barré-Sinoussi und Luc Montagnier. Das teilte das Karolinska-Institut am Montag in Stockholm mit. Zur Hausen erhält die Ehrung für die Entdeckung der Papilloma-Viren, die Gebärmutterhalskrebs auslösen. Seine Forschungsarbeit hat inzwischen die Entwicklung eines Impfstoffs gegen den Tumor ermöglicht.

Der Tumorforscher wurde von der Verleihung des Nobelpreises völlig überrascht. «Ich bin nicht darauf vorbereitet. Wir trinken gerade ein Gläschen Sekt», sagte der 72-Jährige am Montag. Er wisse auch noch gar nicht, was er mit dem Preisgeld machen wolle, sagte er. Heute werde es jedenfalls keine große Feier mehr geben. Gegen 10.45 Uhr sei der Anruf aus Stockholm erfolgt, wie der Krebsforscher berichtet. Um 11.30 Uhr wurde er offiziell als Preisträger genannt. Er wisse auch noch gar nicht, was er mit dem Preisgeld machen wolle, fügte er hinzu.


Koryphäe der Lebenswissenschaft

In den Jahren 1983 und 1984 hatten zur Hausen und seine Mitarbeiter die bahnbrechende Entdeckung der den Gebärmutterhalskrebs auslösenden Papillom-Viren gemacht. «Das liegt schon einige Zeit zurück», sagte zur Hausen jetzt. «Aber wir haben in der Folge sehr viel gearbeitet.» Der Mediziner ist bereits seit fünf Jahren emeritiert. Aber er hat immer noch ein Büro und ein Labor im Heidelberger Krebsforschungszentrum, das er 20 Jahre lang leitete und das unter seiner Führung zu einer weltweit führenden Einrichtung im Bereich der Lebenswissenschaften wurde. Dort erreichte ihn am Montag auch die Nachricht von der Ehrung. Zudem ist der auch zuvor schon vielfach ausgezeichnete Wissenschaftler Chefredakteur der Fachzeitschrift «International Journal of Cancer».

In der Würdigung zur Hausens heißt es, er sei «gegen ein verbreitetes Dogma angegangen», als er die Bedeutung des Virus für die Entstehung des Gebärmutterhalskrebses und damit der zweithäufigsten Tumorerkrankung bei Frauen erforscht habe. Seine Entdeckung habe nicht nur die Beschreibung des Infektions- und Krankheitsverlaufs, sondern auch die Entwicklung von Impfstoffen gegen eine Ansteckung möglich gemacht, lobte das Karolinska-Institut.

Bedauern wegen des Impfstoffes

Die Herstellung des inzwischen verfügbaren Impfstoffes ist allerdings nicht von zur Hausen und seinem Team vorgenommen worden, wie der Forscher bedauernd berichtete. Er habe sich seinerzeit um eine solche Entwicklung bemüht. Das sei aber gescheitert, weil das beteiligte Pharmaunternehmen in einer Marktanalyse keine Chancen für das Produkt gesehen habe.

Die beiden französischen Forscher erhalten die Ehrung für die Entdeckung des Aidsvirus. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist in diesem Jahr mit umgerechnet einer Million Euro (10 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert.

Im vergangenen Jahr wurden die US-Genetiker Mario Capecchi und Oliver Smithies sowie der Brite Sir Martin Evans ausgezeichnet. Sie hatten eine Technik entwickelt, Versuchsmäuse mit menschlichen Krankheiten zu schaffen. Die Tiere dienen der Suche nach Therapien gegen Leiden wie Bluthochdruck oder Diabetes.

Am Dienstag und Mittwoch werden die Träger des Physik- und des Chemie-Nobelpreises benannt. Die feierliche Überreichung findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel. (dpa/AP)

 
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