09. Jul 2003 15:07, ergänzt 31. Jul 2003 16:32
Leserbriefe vom Juli 2003.
Tim Gerdes
Betr.: Vatikan verurteilt schwule Ehen
31.07.2003, 15:34 Uhr
Jetzt geht Herr Kardinal Ratzinger also mal wieder auf die Schwulen und Lesben los. Als eine der letzten Organisationen seit Verbot der NSDAP schwafelt die Kirche von Naturrecht und davon, das Homosexuelle eine Bedrohung für die Gesellschaft seien. Verzeihung, Herr Kardinal, aber Soziologie hat –im Gegensatz zu Religion- nichts oder nur wenig mit Glauben zu tun. Und man kann vielleicht die Mode eines Wolfgang Joop als Bedrohung für die Gesellschaft verstehen (tue ich nicht), aber sicherlich nicht seine neue Liebe zu einem anderen Mann.Vielmehr betrachte ich die Intoleranz der Kirche (gegenüber andern Religionen und Konfessionen [Andersdenkenden bzw. Andersgläubigen], gegenüber Homosexuellen) als Bedrohung der Gesellschaft. Wer im 21. Jahrhundert immer noch Homosexualität als heilbare oder unheilbare Krankheit ansieht, ist in eben diesem noch nicht angekommen.
Schwulen und Lesben gehören auch zu Gottes Schöpfung! Die Einteilung in Gut (hetero) und böse (homo) ist so debil, da kommt eigentlich nur Gorge W. Bush II mit.
Hans-Peter Meuser
Betr.: Schmidt hält an Hausarztmodell fest
30.07.2003, 17:47 Uhr
Bemerkenswert ist, dass die Ministerin glaubt, wenn heute nur 15 Prozent aller Behandlungsfälle mit Überweisung in den Arztpraxen erscheinen, bliebe das auch so! Aber das wird sich ganz schnell ändern, wenn – wie geplant – Patienten mit Überweisungsscheinen von den Zuzahlungen befreit werden. Wenn die Hälfte der bisherigen Chipkarten-Patienten zukünftig mit Überweisung zum Arzt geht und keine Zuzahlung leisten müssen, fehlen in der tollen Rechnung von Ulla Schmidt schon etwa 2 von 6,5 Milliarden Euro.
Frank Dohrmann
Betr.: Kritik an Müller-Milch-Werbung
29.07.2003, 12:05 Uhr
Da gibt es Mordio-und-Feindio-Gezeter, weil Müller-Milch sich bei der Werbung
eines Zeitgenossen [Dieter Bohlen] bedient, der die betont flache Sprache beherrscht, in der sich am besten und vor allem realitätsnah das beschreiben lässt, was man hierzulande Politik nennt.
Da kann der Bundestag doch glatt noch zufrieden sein, dass Themen wie Selbstbedienung und Bevorteilung außen vor geblieben sind. Statt sich Gedanken zu machen, wie man Kosteneffizienz durch sinnvolle und vor allem geprüfte Ausgabe von Mitteln praktiziert, droht man einer Firma wegen eines Werbespots mit Gerichtsprozessen - das passt irgendwie zu diesem Hause der Volksvertreter, das offensichtlich keine anderen Sorgen hat. Thema verfehlt - Note 6.
Thomas Winkler
Betr.: Längere Wochenarbeitszeiten
28.07.2003, 19:37 Uhr
Wir haben 5 Millionen Arbeitslose und diejenigen, die noch arbeiten, sollen länger arbeiten. Das klingt auf den ersten Blick völlig unlogisch.
Doch es gibt einen sehr guten Grund für eine Ausweitung der Arbeitszeit auf 40h. Durch die Senkung der Arbeitszeiten auf 35 – 38 Stunden wurden kaum neuen Arbeitsplätze geschaffen. Für jeden Arbeitnehmer bedeutete es aber mehr Belastung, die gleiche Arbeit in kürzerer Zeit erledigen zu müssen. Die Folgen zeigen sich heute schon. Viele Arbeitnehmer sind zunehmend psychisch überlastet. Es werden heimlich Überstunden gemacht, es wird Arbeit mit nach Hause genommen - oder es wird geschlampt. Ich kann mir gut vorstellen, dass die meisten Arbeitnehmer froh währen, wenn sie wieder ihre «normale Arbeitszeit» hätten. Arbeitszeitverkürzungen sind nur dann gut zu heißen, wenn nicht die gleiche Arbeit in kürzerer Zeit erledigt werden muss.
Norbert Rost
Betr.: Tod von Husseins Söhnen
24.07.2003, 23:38 Uhr
Wie viele Doppelgänger hatte eigentlich Saddam Hussein? Und wie viele seine Söhne? Inwieweit sind die Fotos der beiden toten Männer also beweiskräftig? Das Pentagon muss gute Psychologen haben, sonst wären sie nicht auf den Gedanken gekommen, die Fotos anzukündigen aber dann noch ewig zurückzuhalten. So stieg die Spannung so sehr, dass wir alle nur noch die Fotos gesehen haben, aber den Rest ganz vergaßen. Aber sicher werden wir bald die Röntgenbilder, die beim Spiegel schon zu sehen sind, als Beweis akzeptieren, obwohl die niemand nachprüfen kann. Und dann kommt die DNS-Analyse, wo das gleiche Problem besteht, da die Leichen natürlich nie freigegeben werden. Naja, Schöne Neue Welt halt...
Thomas Wagner
Betr.: Bürgerversicherung
24.07.2003, 12:28 Uhr
Ich finde den Vorschlag von Außenminister Fischer, eine Bürgerversicherung einzuführen, durchaus vernünftig. Sozial wäre es, nur noch eine Krankenversicherung zu haben, in die alle ihren Beitrag einzahlen. Was soll der Unsinn mit ..zig gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen? Sind Beamte vielleicht «bessere» Menschen als Normal-Bürger? Bei nur noch einer Versicherung würde nicht so viel Geld verschwinden und die eingezahlten Beiträge würden ausreichen, um die Gesundheitskosten zu begleichen.
Karl-Hartmut Blesik
Betr.: Deutsche Bahn
24.07.2003, 09:08 Uhr
Es ist keine Frage des Allgemeinen Eisenbahngesetzes (AEG), ob Regionalverkehrsleistungen ausgeschrieben werden müssen, sondern eine Frage des Vergaberechts. Und des verantwortungsvollen Umgangs mit öffentlichen Geldern. Leider hat die Bundesregierung durch einen zweifelhaften Eingriff in das Vergaberecht eine Sonderregelung zugunsten der DB AG geschaffen, die es tatsächlich erlaubt, dass die Bundesländer ohne Ausschreibung direkt mit der DB AG verhandeln und Verträge schließen können.
Der eigentliche Skandal ist also kein juristisches, sondern ein politisches Thema. Eine Regierung, die wiederholt zu Gunsten bestimmter Unternehmen in den Markt eingreift (siehe auch Verlängerung des Postmonopols), braucht sich nicht zu wundern, dass in ihrem Land die Investitionstätigkeit abnimmt. Und sie wird auf ihren Problemen sitzen bleiben. Wer neun Jahre nach der Bahnreform argumentiert, dass keine ausreichende Zahl von Wettbewerbern vorhanden ist, legt damit nur den Finger in die Wunde. Der Wettbewerb wurde trotz vollmundiger Versprechungen bislang massiv behindert!
Angelika Riegmann
Betr.: Bundesverdienstkreuz für Dieter Bohlen
Mi 16.07.2003, 14:20
Macht sich die Regierung in Deutschland nicht langsam lächerlich? Dieter Bohlen mag ein guter Sänger sein, dass ist aber Ansichtssache. Er verdient genug Geld in Deutschland und kann die Steuern zahlen. Familien die nicht viel Geld für den nötigen Lebensunterhalt haben, müssen auch Steuern in Deutschland zahlen. Dies ist alles kein Grund um leichtfertig das Bundesverdienstkreuz zu vergeben. Wird nicht langsam der Sinn der hohen Auszeichnung Bundesverdienstkreuz verkannt? Hat er wirklich das Bundesverdienstkreuz verdient? Ich glaube kaum. Er ist auch kein Aushängeschild für Deutschland. Aushängeschilder sind die Menschen in Deutschland, die ehrenamtlich große Leistungen vollbringen.
Rainer Koch
Betr.: Affäre Friedman
10.07.2003, 14:48 Uhr
Vorsicht, Friedman. Was ist mit der Kundenbeziehung zu den Menschenhändlern? Die ukrainischen Frauen sind hier als Zeuginnen der Anklage. Friedman hat mit seinen Geschäften mit den Menschenhändlern nicht nur «Kontakte zu Prostituierten» gehabt, sondern ein widerliches System des Menschenhandels unterstützt und daran partizipiert und profitiert.
Es wundert mich, dass so etwas nicht bestraft oder moralisch verdammt wird. Wie schnell ist die öffentliche Meinung doch bereit, eine herzzerreißende Beziehungskiste und die Rufe nach einer «zweiten Chance» in den Vordergrund zu stellen, weil die Sensationslust es so will. Wie viel mehr Ungnade mussten doch der Herr Daum oder der Liedermacher Konstantin Wecker erfahren, bei denen es nur um den Drogenmissbrauch ging.
Wilfried Busch
Betr.: Schröders Italien-Absage
10.07.2003, 10:17 Uhr
Endlich mal eine «Entscheidung», die gut für Deutschland ist: 1. Schröders (=unser) Geld bleibt im Lande. 2. Es entstehen keine Zusatzkosten für Auslandszulagen für Schröders Hofstaat, Sicherheitstruppe etc. 3. Wenn es dem Kanzler in Hannover zu langweilig wird, kann er zwischendurch mal eben Politik machen, er hat ja wahrlich genug liegen gelassen. 4. Die Nähe zu den geliebten deutschen Medien geht nicht verloren.
Und außerdem wäre seine Entscheidung, in Deutschland zu urlauben, eventuell ja auch für Italien noch akzeptabel, wenn der Spruch richtig ist: «Gott schütze uns vor Sturm und Wind - und Deutschen, die im Ausland sind.»
Peter Immond
Betr.: Affäre Friedman
08.07.2003, 16:56 Uhr
Ich verstehe es nicht. Aber Hochmut kam wohl auch hier vor dem Fall. Wie kann ein so hoch intelligenter, in der Öffentlichkeit stehender, solche Verantwortung tragender Mensch so superdumm, überheblich, ignorant sein, und sich solche einen Fehler leisten?
Kein Einzelfall, schade nur um seine Organisation, deren Mitglieder nun gemeinschaftliche Häme erleiden müssen. Hoffentlich ist das eine Lehre für alle anderen koksenden Prominenten, die das und Ähnliches als schick und Kavaliersdelikt allenfalls betrachten. Verdammt, wie sollen wir unsere Kinder von so was abhalten, wenn das öffentliche Personen vormachen und ihnen praktisch nichts passiert? (Was ist schon ein Strafbefehl? Blatt Papier, etwa Geld, mehr nicht. Keine wirkliche Drohung.)
Thomas Moest
Betr.: Berlusconi sorgt bei Amtsantritt für Eklat
03.07.2003, 19:54 Uhr
Wer sich, wie der Abgeordnete Schulz, wie ein Flegel gegenüber dem Ministerpräsidenten eines befreundeten Staates benimmt, sollte man aus Brüssel zurückziehen. Brüssel ist nicht der Platz um linksidiologische Kämpfe auszutragen.
Sonja Hallmann
Betr.: Netzeitung
03.07.2003, 12:16 Uhr
Vielen Dank für Ihre übersichtliche Gestaltung der Netzeitung. Die Ordnung fällt sofort ins Auge (Quervermerke etc.), so dass man die Adresse nicht so schnell vergisst.
Alexander Trust, Aachen
Betr.: Merkel und Stoiber drängen den Kanzler bei Steuerreform zur Eile
01.07.2003, 17:49 Uhr
Auf mich wirken die Forderungen von Angela Merkel und Edmund Stoiber, der Kanzler solle sich beeilen wie die einer unverbesserlichen Schwiegermutter, die sich einmischt, als ihr Schwiegersohn bereits mit der Arbeit begonnen hat, die selbst jedoch noch nichts davon gemerkt hat.
Es kann doch nicht sein, dass diese beiden Galionsfiguren der Union jetzt versuchen nach einem Strohhalm zu greifen, den sowohl Roland Koch als auch Christian Wulff bereits in Flammen gesteckt haben mit ihren Äußerungen. Und besonders Edmund Stoiber dreht sich wie die Fahne im Wind. Denn auch er hatte bereits in der Vergangenheit eine Blockadehaltung eingenommen.