Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Folge der Konjunkturkrise : 

Gruner + Jahr spart Wirtschaftsredakteure ein

19. Nov 2008 19:24
Bald alles aus einer Hand
Bild vergrößern
Das Verlagshaus schließt die Redaktionen von «Capital», «Impulse» und «Börse Online», um sie in Hamburg mit der «Financial Times Deutschland» zusammenzulegen. «Park Avenue» wird komplett eingestellt.

Europas größter Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr zieht aus der aktuellen Konjunkturkrise und Einbußen im Anzeigengeschäft Konsequenzen: Im Zuge von Sparmaßnahmen führt das Unternehmen seine Wirtschaftstitel komplett in Hamburg zusammen und schließt den Standort Köln und das Wirtschaftssegment in München.

Die Wirtschaftsmagazine «Capital» und «Impulse» (Köln) sowie «Börse Online» (München) sollen mit der «Financial Times Deutschland» (FTD) von März 2009 an von einer G+J-Redaktion Wirtschaft herausgegeben werden, die am Verlagssitz in Hamburg angesiedelt werde, teilte G+J am Mittwoch mit. Der neuen Redaktion gehören rund 250 Vollzeit- Mitarbeiter an; auf alle Wirtschaftsmedien bezogen fallen laut G+J unterm Strich rund 60 Stellen weg.

Auch das vor drei Jahren gegründete monatliche Personality-Magazin «Park Avenue» mit einer verkaufte Auflage von 102 534 Exemplaren (IVW/III/2008) wird mit dem Januar-Heft 2009 aus dem Markt genommen. «Die Auflage ist in Ordnung, das Anzeigengeschäft bleibt deutlich hinter unseren Erwartungen zurück», sagte G+J-Vorstandsmitglied Bernd Buchholz.

«Park Avenue» refinanziert sich nicht

Das auf Gesellschaftsberichterstattung ausgerichtete Heft sei zu weit davon entfernt, die Gesamtkosten refinanzieren zu können. Zu den Investitionen in das Blatt wollte sich Buchholz nicht äußern, betroffen sind 23 Stellen. Auch für das People-Magazin «Gala» in den Niederlanden kommt nach einem Jahr das Aus, ebenso für ein 2001 gegründetes Lifestyle-Magazin in Russland, beides zusammen 35 Stellen.

«Damit ist die Umstrukturierung unseres Portfolios sowohl in Deutschland als auch im Ausland in dieser Phase abgeschlossen», sagte Buchholz. In Medien war zuvor über weit mehr Titel spekuliert worden, die vor einem möglichen Aus stehen könnten. Alle anderen Titel hätten gezeigt, dass sie auch in schwierigem Umfeld eine gute Perspektive haben, teilte Buchholz mit. «Wir haben ein gut aufgestelltes und gesundes Titel-Portfolio.» Der Umsatz des Konzerns von rund 2,8 Milliarden Euro (2007) kommt zu etwas mehr als der Hälfte aus dem Ausland.

«Harter Schnitt»

«Wir werden mit dem Betriebsrat Sozialplanverhandlungen aufnehmen», kündigte Buchholz an. 50 Stellen werden von der Wirtschaftsmedien GmbH neu ausgeschrieben, auf diese Arbeitsplätze können sich Kollegen aus Köln und München bewerben. «Die Maßnahme stellt für viele Mitarbeiter einen harten Schnitt dar. Er ist aber unausweichlich, um allen Titeln des G+J-Wirtschaftsportfolios Ausbau- und Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen», berichtete die G+J-Verlagsgeschäftsführerin Wirtschaftsmedien, Ingrid M. Haas.

Vorstandsmitglied Buchholz begründete den «schmerzlichen Schritt» mit «nötigen Einsparungen» im Zuge des Strukturwandels im Segment der Wirtschaftspresse sowie der Konjunkturkrise. «Wirtschaftsmedien sind deutlich stärker von der Krise tangiert, weil Banken, Fondsgesellschaften und Finanzdienstleister ihr Werbevolumen deutlich reduzieren», berichtete Buchholz. «Wir haben einen rückläufigen Anzeigenmarkt und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht.» Auch nach dem Platzen der Internetblase Anfang des Jahrzehnts waren Wirtschaftstitel der Verlage wegen deutlich gestutzter Werbeetats ins Trudeln geraten.

Führung um Klusmann

Die neue G+J-Redaktion – geführt von einem Chefredakteurskollegium mit dem «FTD»-Chefredakteur Steffen Klusmann an der Spitze – wird auch das im Februar 2000 erstmals erschienene lachsrosafarbene Wirtschaftsblatt «FTD» herausgeben. «Die Schaffung der Redaktion Wirtschaft ist der einzige Weg, die nötigen Einsparungen durch die Nutzung gemeinsamer Ressourcen zu erzielen und zugleich die Identität und Qualität der Blätter zu wahren», erklärte Buchholz. «Die Journalisten arbeiten künftig für alle Titel, wobei die Identität der einzelnen Marken gewahrt bleiben wird.» Die «FTD» verkauft mehr als 100.000 Exemplare (2. Quartal 2008: 100 919), sie schreibt aber bisher noch keine schwarzen Zahlen, wie Buchholz bestätigte.

In Frankfurt sind die beiden Ressorts Finanzen-News und Geldanlage angesiedelt, das Ressort Politik agiert von Berlin aus. Die Korrespondentenbüros der drei Magazine werden geschlossen. Ihre Verlagsabteilungen waren schon im Sommer 2008 nach Hamburg umgezogen. Die Chefredakteure Ursula Weidenfeld («Impulse»), Stefanie Burgmaier («Börse Online») und der noch zu bestimmende Nachfolger von Klaus Schweinsberg («Capital») behalten die inhaltliche Verantwortung für ihre Marken, bekräftigte G+J. Schweinsberg scheidet Anfang 2009 bei G+J aus, seine Entscheidung soll jedoch nicht in Zusammenhang mit der aktuellen Umstrukturierung stehen.

Zusammengelegte Online-Redaktionen

Die Online-Redaktionen der vier Titel werden zusammengelegt. Einen Ausschlag für die nun vorgenommene Neuorganisation hat die aus Sicht von Buchholz führende Rolle des Online-Auftritts der «FTD» gegeben. Das minuten- und tagesaktuelle Nachrichtengeschäft sei zukunftsfähig, sagte Buchholz. Wirtschaftstitel ohne starke Internetpräsenz seien nicht mehr denkbar. (dpa)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Josef Depenbrock & Robert Rischke | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.