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Altpapier vom Donnerstag

15. Mai 09:58, ergänzt 11:02
Für seine neue N24-Show besucht Michel Friedman heute ein Jugendgefängnis
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Wissenswertes über «Webisodes», aktuelle Rundfunkstaatsverträge und Zensur in der Türkei. Außerdem: Michel Friedman geht ins Gefängnis.

Es gibt so Tage, an deren Vortag eben nicht so viel passiert ist.

Ist das im Bereich der Medien eingetreten, wird auf den Medienseiten der Zeitungen z.B. mal ausführlich der Beruf des Location Scouts vorgestellt («Kein Film kommt ohne sie aus... Ihre Arbeit wird immer schwieriger», «SZ» unter besonderer Berücksichtigung bayerischer Locations).
Oder es wird der dreizehnte der tradtionell besonders langweiligen Commissario Brunetti-Fernsehkrimis besprochen («FAZ»,
'Tagesspiegel': «recht leicht durchschaubarer Krimi, der sich einem in Italien immer noch tabuisierten Thema annimmt: der eigenen, faschistischen Vergangenheit» - was natürlich recht grotesk ist, wenn deutsche Darsteller nach deutschem Drehbuch ein solches Italien mimen, aber darauf geht niemand ein).

Die vielfältige Medienberichterstattung stellt aber auch an diesem Donnerstag einige darüber hinaus lesenswerte Texte bereit. In der «Berliner Zeitung» hilft Holger Wenk denen, die medienpolitische Berichte genau lesen und sich manchmal fragen, warum Politiker und Funktionäre mal vom 10., mal vom 11. und mal vom 12. Rundfunkstaatsvertrag sprechen. Dazu gibt's einen Überblick über den allgemeinen «Reformstau auf der Datenautobahn».

Jenseits des Tellerrands interessant: die medienpolitische Lage in der Türkei, die zwar Beitrittsverhandlungen mit der EU führt, sich aber auch besonders im Kampf gegen Beleidigungen des sogenannten Türkentums engagiert. Welche Folgen das im Internet hat, beschreibt Nico Sandfuchs in der 'Rundschau':
«Seitdem das türkische Parlament vor einem Jahr ein restriktives Internetgesetz verabschiedete, nehmen die Fälle von Zensur im Netz zu. Allein bei den Kultur- und Nachrichtenportalen verfügten türkische Gerichte seit Ratifizierung des Gesetzes 38 Sperrungen, 17 davon mit der Begründung, Atatürk sei beleidigt worden».

Und während die Wochenzeitung «Die Zeit» sich nicht mit Medienthemen beschäftigt, liefert Helmut Merschmann in der Wochenzeitung 'Freitag' einen Überblick über Bewegtbildserien, die fürs Internet und dessen eigene Aufmerksamkeitsspannen produziert werden, von 'Moabit Vice' aus Berlin bis zu 'Roommates' aus Los Angeles. Er nennt sie «Webisodes».

Schließlich bietet auch das herkömmliche deutsche Fernsehen eine neue Sendung, die womöglich halbwegs sehenswert ist ('Tsp.'), über die sich zumindest aber hübsch lustig machen lässt:

«Wenn Michel Friedman etwas macht, steht meistens auch Friedman drauf. Und drin ist auch ganz viel Friedman» ('Berliner'), deshalb heißt die neue Sendung, die auf N 24 dann läuft, «wenn 'Studio Friedman' aus irgendwelchen Gründen nicht läuft», 'Friedman schaut hin'. In Folge 1 schaut er auf eine brandenburgische Justizvollzugsanstalt. «'Wie werde ich Vertrauen schaffen; Nähe, ohne mich anzubiedern?', fragt er sich. Die Antwort: gar nicht» ('taz').


Altpapierkorb

Ui, doch noch was Aktuelles, zumindest regional: Weil der RBB sparen muss, befürchten Mitarbeiter des von «Radio Multikulti» die Abschaffung dieses Radioprogramms ('Tagesspiegel'). +++ Ansonsten beschäftigen sich Zeitungen an solchen Tagen gern auf Detailebene mit anderen Zeitungen. Was die «taz» gestern über Bayern Münchens Medienpolitik gegenüber der «Süddeutschen» berichtete, nimmt der 'Tagesspiegel' auf, um schon mal über «die zukünftige Medienpolitik des FC Bayern unter Trainer» bzw. «Kontrollfreak» Jürgen Klinsmann nachzudenken. +++ Die 'Rundschau' fragt auch bei Bayern-Mediendirektor Markus Hörwick nach, erwähnt aber nicht die «taz». +++ Die 'taz' bezichtigt wiederum die «Rundschau», ihre kritische Meinung zur ARD-Mediathek «direkt aus dem Verlegerbüro» des kölschen Dumont-Verlags, dem sie gehört, empfangen zu haben. +++ Die 'Süddeutsche' beschäftigt sich mit den «Bild»-Zeitungsberichten über Helmut Kohls jüngste Hochzeit (in Anwesenheit des Anwalts, aber auch «WAZ»-Geschäftsführers Stephan Holthoff-Pförtner). Online-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs setzt Kai Diekmanns Prosa («Das Licht der Sonne fiel strahlend hell auf den Altar») seine eigene («Liebe ist hier ein privates Weltereignis») entgegen. +++ Mit «FAZ»-Journalistin Felicitas von Lovenberg, die nun auch ins Fernseh-Getalke strebt, beschäftigt sich die «SZ» ebenfalls: «Sehr wahrscheinlich also, dass die Rolle als Dr. Love sie einem breiteren Publikum bekannt gemacht hat als die FAZ-Wochenendbeilage 'Bilder und Zeiten', die sie seit 2006 verantwortet». +++ Die 'FAZ' bringt einen übersetzten ich-Bericht des CNN-Korrespondenten Dan Rivers über sein Abenteuer in Burma («Es hieß, sie suchten gezielt nach mir...»). +++ Und beschäftigt sich zweimal mit «Le Monde»: Das kriselnde Blatt «zeigt falsche Bilder vom Atomangriff auf Hiroshima», was laut Jürg Altwegg aber «kein Mediengau» sei, sondern «eher ein Lehrstück über den Umgang mit historisch vermeintlich sensationsträchtigen Fotos: Sie zeigen am Ende, was man ihnen zuschreibt». +++ Unabhängig davon sollen in der «Le Monde»-Redaktion 129 Arbeitsplätze wegfallen. «Am härtesten trifft es die Kultur. Sie wird nur noch zwei Seiten bekommen». +++ Seit Pfingsten prüft die EU-Kommission Rupert Murdochs Premiere-Beteiligung. Für die 'taz' ein Anlass, auf Murdochs frühere Einstiegsversuche in Deutschland zurückzuschauen. +++ Klaus Kreimeier zeiht Bertelsmann eines Schildbürgerstreichs (wegen der geplanten Wikipedia-Ver-Buch-ung). +++ Dann noch Personalien von der «FAZ»-Medienseite: Das öff.-rechtl. Ereigniskanälchen Phoenix berichtet auch zur Fußball-EM und hat dafür «zwei Weltmeister verpflichtet: die ehemaligen Nationalspieler Rainer Bonhof (1974) und Guido Buchwald (1990)». +++ Und die «Berliner Zeitung» hat einen neuen Sportchef verpflichtet: Markus Lotter kommt vom FC St. Pauli bzw. der 'Welt'. +++

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Freitag gegen 10.00 Uhr.

 
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