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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Dienstag

13. Mai 2008 10:13, ergänzt 11:11
Bruce Darnells ARD-Shows sucht man in der Mediathek vergeblich.
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Die ARD geht fast heimlich mit gleich zwei Mediatheken online: Verwirrende «Schnipselparaden» und «Armutszeugnisse», die im Internet aber doch für Aufregung sorgen.

Über Pfingsten wurde das deutschsprachige Internet noch voller. «Fast heimlich» ('Frankfurter Rundschau'), «fast klammheimlich» ('Tagesspiegel') ging die lang erwartete ARD-Mediathek online, mit der «Internetnutzerinnen und –nutzer ihr Wunschprogramm entsprechend ihren eigenen, individuellen Interessen jederzeit abrufen» können.

«Die Redaktion der ARD Mediathek sucht täglich Sendehighlights heraus, stellt aktuelle Themenpakete zusammen und bündelt das breite Programmspektrum nutzerfreundlich für Sie», heißt es in der Selbstbeschreibung des Angebots.

Ob man also die «hr2-Kulturpresseschau» akustisch verfolgen will oder sich von atemverschlagenden darstellerischen Leistungen z.B. in Folge 3332 der Werberahmen-Soap «Marienhof» audiovisuell überzeugen möchte - so etwas ist nun unter www.ardmediathek.de gebündelt. Dank der zu jedem Beitrag angebotenen Funktion «Diesen Clip auf die Festplatte laden» dürften auch die Festplatten voller werden. Der Kampf um die Aufmerksamkeit im Internet geht richtig los. Oder ist schon entschieden.

«Im Tauziehen um die künftige Rolle der öffentlich-rechtlichen Medien im Internet gibt es einen Sieger: Es sind, wenig verwunderlich, ARD, ZDF und die angeschlossenen Anstalten», folgert die 'taz': «Die Medienpolitik scheint sich vom zunächst recht siegessicheren Verleger-Lager abgewendet zu haben, von 'strategischen Fehlleistungen' der Verlage ist die Rede».
Schon seien nurmehr die Fragen, ob bei der ARD auch «Spielfilme für maximal 24 Stunden abrufbar» sein sollen und «die sportbegeisterte SPD» den Abruf der Bundesliga-Berichte durchsetzen kann.

Noch weiter gehen soll der nun von den Länder-Rundfunkbeauftragten ausgehandelte Kompromiss für die Novellierung des Rundfunkstaatsvertrages, der im Juni von den Ministerpräsidenten beratschlagt werden soll. Da werde ARD und ZDF «in Zukunft zugestanden, populäre Filme und Serien bereits vorab im Internet auszustrahlen», berichtet Hans-Peter Siebenhaar ('Handelsblatt'), und beim Handy-Kanal hätten die Öffentlich-Rechtlichen ebenfalls freie Wahl.
Mehr zum Stand der Dinge steht auch in der «Rundschau».

Ihre schon im vergangenen September angekündigte Mediathek hat die ARD nun parallel zu den laufenden Vorverhandlungen über den Rundfunkstaatsvertrag ins Netz gestellt, um «einfach mal Fakten zu schaffen». Daniel Bouhs («FR»,
oben schon verlinkt) weist darauf hin, dass die ARD ihre strukturelle Verwirrung auch in den neuen Medien reproduziert und zusätzlich zur ARD-Mediathek auch eine 'Das Erste'-Mediathek gibt, die identische Inhalte nochmals anders konfektioniert.

Wie sich dieser Vorgang des Fakten-Schaffens ins medienpolitsche Procedere eingeschliffen hat, schildert Menso Heyl, der Chefredakteur des «Hamburger Abendblatts» (Axel Springer-Verlag) persönlich:
«Aus Kenntnis vergangener Jahre ist zu sagen: Die Öffentlich-Rechtlichen haben mehrfach zunächst Grenzen ihres öffentlichen Auftrages 'erweitert' - bei der Einwerbung der Fußballrechte zum Beispiel oder bei der Einführung von immer mehr Spartensendern. Ihrer Musik folgte die Politik: Der nächste Staatsvertrag regelte jeweils das, was bis dahin Praxis war. Auf dem Sprung ins Internet zeigt diese Erfahrung: Der Spielraum für die anderen Medien würde mörderisch eng.»

Andererseits sei «absehbar..., dass sich manche gegenwärtige Aufregung in der Praxis legen dürfte. Dazu zählt etwa, dass ARD und ZDF schon mit Blick auf die extrem hohen Streaming-Kosten von manchen Plänen im Internet absehen dürften», meint Rainer Braun ('Kölner Stadtanzeiger'/ Sa.)

Denen, deren Spielraum nun noch enger wurde, bleibt ansonsten die Hoffnung, dass die neue «Schnipselparade» («Tagesspiegel») sich durch ihre Inhalte («komplette Ausgaben von 'Schmidt & Pocher' sucht man vergebens») und die Art und Weise, in der die dargeboten werden, selbst disqualifiziert. Begeistert ist bislang kein Beobachter.
Am härtesten beurteilt 'dwdl.de' die ARD-Mediathek, «die neben technischen Mängeln insbesondere den in manchen Belangen völlig unsinnigen Föderalismus der ARD entlarvt. Einst als regionale Anstalten mit regionalem Fokus gestartet, war die Doppelung der Programme der 'Dritten' schon mit der Verbreitung der dritten Programme über das eigentliche Sendegebiet hinaus offensichtlich geworden. Doch die ARD-Mediathek macht es jetzt so deutlich wie nie zuvor».

Überschrift: «ARD-Mediathek ist ein mediales Armutszeugnis».
Wobei für öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten, die bei der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs regelmäßig ihren Finanzbedarf anzumelden haben, ein ordentlich ausgestelltes Armutszeugnis natürlich auch Chancen birgt: auf umso kräftigere Zuschläge in der nächsten Gebührenerhöhungsrunde.



Altpapierkorb

Die «FAZ», sonst führend im Ärgern über ARD und ZDF, nimmt die neue Entwicklung zunächst von der heiteren Seite: «Das ist nun wirklich ein Brüller», heißt es über diese Mitteilung der Landesmedienanstalt von Rheinland-Pfalz, die die vielfach zurecht kritisierte Thomas Leif-Polemik «Quoten, Klicks und Kohle» «in noch absurderer Weise» aufwertet: «Sie fordert am Beispiel dieses Stücks nämlich nicht nur eine gemeinsame Medienaufsicht für den öffentlich-rechtlichen und den privaten Rundfunk. Nein, sie gibt auch noch ein 'Kurzgutachten' in Auftrag, das die 'inszenatorischen Mittel' des ARD-Stücks 'auf der Basis der anerkannten Maßstäbe des TV-Journalismus' bewertet. Dabei verschweigen die Landesmedienanstaltler in ihrer gekränkten Eitelkeit tunlichst, dass sie selbst in besagtem Stück schlecht wegkommen - unter Zuhilfenahme derselben manipulativen Techniken, die diesen Beitrag von Beginn bis Ende kennzeichneten. Und sie treiben die öffentlich-rechtliche Geldvernichtung auf die Spitze: Zuerst wird der mit Gebührengeld finanzierte Beitrag in die Welt gesetzt, und dann wird er - weil die Landesmedienanstalten, obzwar für die Kontrolle des Privatfunks zuständig, auch durch einen zweiprozentigen Anteil an den Rundfunkgebühren finanziert werden - auch noch einmal gutachterlich überprüft, nach dem Motto: doppelt gemoppelt ist zweifach versenkt». +++ «Hilfe, Pro Sieben macht jetzt auch Fernsehen im Internet» (Peer Schader in der «FAZ» über «Germany's Next Topmodel»-Exkandidatin Gina-Lisas Videoshow. +++ Pro Sieben sendete aber auch «schon wieder kopiergeschützt», berichtet die «SZ», mehr frei online bei 'dwdl.de'. +++ «Brauchen wir gewalttätige Medien?» «Kommunikation ist wichtig. Kindererziehung ist kein Hobby.» «Kein Medium auf der Welt macht Menschen zu aggressiven Monstern. Die Gründe, warum Menschen ausrasten und Amok laufen, haben immer soziale Auslöser»: Stephan Reichart, Chef der Spielefirma «Aruba Studios», zeigt im 'Tagesspiegel'-Interview keine Scheu vor großen Wörtern. +++ Wie das öffentlich-rechtliche ZDF dem Privatsender Pro Sieben beim Konkurrieren um die Zielgruppe der Computerspieler in die Quere kommt und zugleich die (womöglich im nächsten Rundfunkstaatsvertrag relevant werdenden) Begriffe «programmbegleitend»/ «sendungsbegleitend» ad absurdum führt, zeichnete die 'Rundschau' nach. +++ «Bei 'Le Monde' geht es ums Ganze» (Rudolf Walther, 'FR'). +++ Marokkos König Mohamed VI. entzog Al-Dschasira per Fax die Sendefrequenz «aus technischen und juristischen Gründen» ('taz'). +++ Rupert Murdoch kauft doch nicht die New Yorker Vorstadtzeitung «Newsday». Das tut offenbar der Medienkonzern Cablevision, «der 650 Millionen Dollar bot, dafür aber auch den Immobilienbesitz des Blattes übernehmen will» («FAZ», S. 52). +++ «Zurzeit findet gerade eine Demontage durch gezielt durchgesteckte Indiskretionen statt»: So beklagt SWR-Chefredakteur Fritz Frey<>/i die Diskussionen um Anne Will im 'Spiegel'. +++ Willi Winkler («SZ», S. 15) war beim Henri Nannen-Preis: «Die Verleihung am vergangenen Freitag tendierte mit dem zähen Aufmarsch vor Publikum jedoch recht weit weg vom Kisch-Journalistischen und eher ins Kitschige des Genres Goldene Kamera. Die Hauptbahnhofsalkoholiker staunten jedenfalls mitsamt ihren überdimensionierten Hunden über die vielen Herren (alles Schwarz) und wenigen Damen (sommerlich leicht gerefft), die da ins Theater strömten» und sahen, wie Caren Miosga «munter Namen und Lebensläufe» verwechselte und «ein sagenhaftes Ungeschick beim Haspel-Interview mit dem chinesischen Fotografen Lu Guang» bewies. +++ Aus dem «Focus»: Wegen seiner Exklusivverträge mit kleinen Spartensendern erwartet den Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland eine Untersuchung des Bundeskartellamts (mehr online bei 'digitalfernsehen.de'). +++ Wie es RTL in seinem neuen Nachmittagsprogramm gelang, das «letzte inhaltliche Hemmnis der Talkshow» wegzureformieren, den Zusammenhang, beschreibt in der 'Berliner Zeitung' Klaudia Wick.

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Mittwoch gegen 10.00 Uhr.

 
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