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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Donnerstag

03. Jul 2008 10:12, ergänzt 10:59
Josef Depenbrock
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Ein anstrengender Tag für Geschäftschefredakteur Josef Depenbrock: vormittags siegreicher Gerichtstermin, nachmittags Betriebsversammlung und soviel Aufmerksamkeit wie bisher noch nie.

Soviel Material über das Phänomen Josef Depenbrock gab es bisher noch nie an einem Tag.

Der Mann, der sich selber Onkel nennt ('Spiegel' im März), in seiner Hemdsärmeligkeit «Gerhard Schröders Bruder sein könnte» («taz», s.u.) und in der deutschen Medienlandschaft nicht ohne Freude eine Pionierrolle spielt, indem er ihr «Eins in die Presse» («Zeit»-Überschrift, S. 22) gibt, trat gestern zunächst unter großem medienöffentlichen Interesse im Berliner Arbeitsgericht auf.
Und dann bei großem innerbetrieblichen Interesse auf einer Betriebsversammlung der BV Deutsche Zeitungsholding.

«Gerichte bestätigt Ämterhäufung», fasst die 'FTD' den Ausgang der Sache mit dem Aktenzeichen 40 Ca 4276/08 zusammen. Da ging es um die Frage, ob Depenbrock Geschäftsführer und Chefredakteur der «Berliner Zeitung» bleiben darf. Darf er.

«Das ist quasi die Abschaffung des Chefredakteurs», zitiert die 'FAZ' eine Stimme aus der Redaktion der «Berliner Zeitung». So hat es das Gericht aber nicht gemeint. Es berief sich bloß «explizit auf das Redaktionsstatut, das seit September 2006 in Kraft ist und die Zusammenarbeit zwischen Redaktion und Verlag regeln soll. Bei der Bestimmung des Chefredakteurs sei darin kein Vetorecht der Redaktion festgeschrieben – anders als in vergleichbaren Statuten wie sie etwa beim 'Mannheimer Morgen' gelten».
Unter dem Depenbrock-Bild, das den «FAZ»-Bericht illustriert (im Blatt ist's das die Hemdsärmeligkeit betonende ddp-Foto) steht: «An seiner Allmachtsposition kann man ablesen, was es bedeutet, wenn Finanzinvestoren Zeitung machen»

Eine schöne neue, von Rolf Zöllner fotografierte Depenbrock-Studie in drei Bildern illustriert (leider nicht online) den ganzseitigen 'tazzwei'-Bericht, dem der eingangs zitierte Altkanzler-Vergleich entstammt. Ausführlich geht's um den Gerichtstermin am Vormittag, und dann auch die Betriebsversammlung am Nachmittag:
«Er wolle nicht nur bei den kleinen Leuten sparen, sagt er. Der Satz sei ein echter Depenbrock, sagt später ein Redakteur. Spart. Und verkauft es als Tat der Gerechtigkeit. Was bleibt ist die Bestätigung der Kürzungspläne».

«Den Kampfeswillen der Redaktion gegen Depenbrocks Sparkurs hat das Urteil zumindest nicht geschmälert», weiß der 'Tagesspiegel': «Auf der Betriebsversammlung gestern wurden zusammen mit Gewerkschaftvertretern die Möglichkeiten eines Arbeitskampfes besprochen».

«Kurz bevor Depenbrock das Gericht wieder verlies [ähm: sic!], kündigte er übrigens noch an, dass er sich künftig wieder stärker in die Redaktionsarbeit einbringen werde. Für die Redakteure klang das wie eine Drohung», hat die 'Süddeutsche' im Gericht aufgeschnappt.
Aus dem Artikel geht auch hervor, dass Ewald B. Schulte, zuletzt vor allem als Sprecher des kämpferischen «Berliner»- Redaktionsausschusses bekannt, inzwischen beim «Tagesspiegel» arbeitet. «Mit der Auswahl seines neuen Arbeitgebers kann Schulte der 'Berliner Zeitung' nachträglich einen reinwürgen - ist der 'Tagesspiegel' doch der direkte Konkurrent in Berlin» ('kress.de').

Zu den offenen Fragen gehört weiterhin die nach der Zukunft der Netzeitung, die bekanntlich ebenfalls zur BV Deutsche Zeitungsholding gehört. In dem Zusammenhang ergatterte der 'Kölner Stadtanzeiger' dieses exclusive Depenbrock-Zitat: «Im Newsroom 'werden wir Redakteure der Netzeitung mit der Berliner Zeitung zusammenbringen und eine Win-Win-Situation mit stringentem Kostenmanagement realisieren.'»

Der ausführliche «taz»-Artikel, der sich gestern online der Netzeitung widmete, steht leicht aktualisiert heute in der Druck-«taz».

Auf der Zeitungs-Medienseite stand er gestern deshalb nicht, weil diese ja von der 'Verleger gesucht. Kaufen Sie uns!' -Stellenanzeige gefüllt wurde, die heute auch für einiges Echo sorgt.
Es war nicht ganz so, dass die «taz» «solidarisch eine halbe Anzeigenseite zur Verfügung gestellt» («KStA») hatte. Sondern handelte es sich um «eine reguläre Anzeige, sagt 'taz'-Medienredakteur Steffen Grimberg, für die ein Sonderpreis im vierstelligen Bereich bezahlt worden sei. Redakteure der 'Berliner Zeitung' hätten das Geld gemeinsam aufgebracht» ('sueddeutsche.de').
Das heißt, der Preis liegt etwas niedriger als der für «taz»-Anzeigen dieser Größe übliche à 5088 Euro netto.

Da es sich da also wirklich um eine jener oft beschworenen, nicht so oft eintretenden Win-Win-Situationen handelte:
Vielleicht kann der Redaktionsausschuss dieselbe Anzeige ja auch nochmal in der «Berliner Zeitung» selbst schalten. Dann würden die Leser des Blattes auch informiert, und der Konzern hätte wieder eines der Nebengeschäfte realisiert, um die er sich auch sehr bemüht.




Altpapierkorb

Heute in der 'Berliner Zeitung': Elke Heidenreich über fünf Jahre «Lesen!» im ZDF. «Was ist an den Gerüchten dran, dass Sie aufhören wollen, weil Sie mit der Quote unzufrieden sind?» - Heidenreich: «Diese Gerüchte sind völlig dummes Zeug. Weder ist das ZDF mit mir unzufrieden noch ich mit dem ZDF. Es ist alles in Ordnung. 'Lesen!' geht auf jeden Fall weiter». +++ «Eigentlich müssten die Journalisten und Verleger der gesamten Gattung Tageszeitung im Protest aufstehen. Denn hier wird das Image der Tageszeitung schwer beschädigt», wird im o.g. «Zeit»-Artikel zur Lage der «Berliner Zeitung» (S. 22, derzeit nicht online) Michael Haller, der Leipziger Professor für Allgemeine und Spezielle Journalistik, zitiert. +++ Zugespitzter ist die Lage bereits in den holländischen Objekten der Mecom (deren deutsche Objekte die BV Deutsche Zeitungsholding bündelt). Siehe 'taz'. +++ Eine Klage bedroht die renommierte Fotoagentur «Ostkreuz» mit einem Zwangsgeld von 250.000 Euro. Der 'Tagesspiegel' informiert über Einschränkungen der sog. Panoramafreiheit, die die «Stiftung Preußische Schlösser und Gärten» im Schilde führt. +++ Dass Fernsehberichte über die Fußball-Bundesliga in Zukunft großteils nur noch im Bezahlfernsehen zu sehen sind, will das Bundeskartellamt verhindern ('FAZ'). +++ Ebd.: Clay Felker, der «legendäre Magazinerfinder» des wohl ersten Stadtmagazins «New York», das ihm später Rupert Murdoch «kaltblütig entriss», ist gestorben. +++ Sarkos Fernsehinterview nun in der 'taz'. +++ Und ein Blogger aus der Schweiz erinnert Klaus Kreimeier an «einen Amateurfunker, der einst in der Wohnung über mir hauste...», einen «frühen Content-Manager der Inhaltsleere ...».

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Freitag gegen 10.00 Uhr.

 
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