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Unsere Medienkolumne: 

Altpapier vom Mittwoch

19. Nov 2008 10:13, ergänzt 11:23
Mark Zuckerberg ist der Gründer von Facebook. Die alten Medien findet er so naja.
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Ein Sportjournalist gegen den Deutschen Fußball-Bund. Nach zahlreichen Bloggern befassen sich nun auch Printjournalisten mit dem Fall. Spät, finden manche. Der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg findet Freunde eh wichtiger als traditionelle Medien.

«Ich spüre den Druck vor lauter Druck nicht mehr», sagte Oliver Kahn einmal. Obwohl «Druck» also durchaus einiges mit Sport zu tun hat, hat es eine Weile gedauert, bis das Thema sich als eines der Printmedien durchsetzte: Der Sportjournalist Jens Weinreich, einst Leiter des Sportressorts der «Berliner Zeitung», liegt im Konflikt mit dem Deutschen Fußball-Bund. Kurzzusammenfassung des Beginns der mittlerweile größeren Geschichte: Weinreich bezeichnete DFB-Präsident Zwanziger als «unglaublichen Demagogen».

Die 'Berliner Zeitung' weiter:

Zwanziger fühlte sich durch Weinreichs Worte in seiner Ehre verletzt. Er sah sich durch die Bezeichnung als Demagoge in die Nähe nationalsozialistischer Volksverhetzer gerückt und leitete rechtliche Schritte ein. Allerdings scheiterte Zwanziger zwei Mal vor Gericht mit dem Versuch, gegen Weinreich eine Unterlassungserklärung zu erwirken.

Das war allerdings erst der Anfang; der Fall Journalist gegen Verband geht weiter. Und weiter. Und weiter. Weinreich selbst listet in seinem Blog 92 weiterführende Links (und es werden immer mehr) auf, die helfen, sich auf den neuesten Stand zu bringen. Der Artikel im 'Kölner Stadt-Anzeiger' ist unter den verlinkten. Mittlerweile, anders als in einer ersten Version dieses Textes geschrieben, auch der aus der 'taz' , in dem der Autor durchblicken lässt, dass er Weinreichs Vokabular auch selbst stellenweise vielleicht ein bisschen dicke findet. Aber das ist wohl eher eine Sache des Geschmacks. Schon merkwürdig, dass der DFB sie von Anwälten regeln lassen will.

Was die Geschichte – Weinreich vs. DFB – jenseits der Erkenntnisse über die Kommunikationskultur des DFB interessant macht, spielt auf der Ebene, die Jürgen Kalwa eingezogen hat. Weil es Blogs – jene Dinger, «die vom Establishment so gerne belächelt oder ignoriert werden» – waren, ohne die «die ganze Sache nie begonnen» hätte und «nicht öffentlich abgehandelt» worden wäre, unterstellte er vor kurzem ein mangelhaftes Neugierverhalten in deutschen Redaktionen, wo das Vergnügen der (fest angestellten) Journalisten daran, sich mit dem eigenen Bauchnabel und dem Status Quo zu beschäftigen, größer ist als das Interesse daran, die Verschiebung der tektonischen Platten unter ihren eigenen Füßen zu vermessen.

Harte Zeiten also für die sog. traditionellen Medien?

Mark Zuckerberg sagt: ja. Logisch.

«Glauben Sie wirklich, dass Fernsehen und Zeitung überflüssig geworden sind?», fragt Christoph Koch den Gründer von Facebook in der «Süddeutschen Zeitung» (Seite 15). Zuckerberg antwortet:

Ich glaube, dass gute Inhalte immer wichtig bleiben. Aber eine Sache, die sich ändert, ist die Art, wie Menschen an diese Inhalte kommen. Statt Massenmedien werden Freunde eine wichtige Informationsquelle. Wenn Ihnen ein Freund einen Link zu einem Text oder einem Film oder einem Musikstück schickt – dann haben Sie doch viel mehr Interesse daran, als wenn ein wildfremder Journalist oder Musikredakteur für Sie aussucht.

Freundlicherweise legt Koch Widerspruch ein:

Wenn mir der Freund einen Link zur New York Times oder einen Ausschnitt der Jon Stewart Show schickt, sind es trotzdem immer noch Journalisten, die diese Inhalte schaffen.

Und Zuckerberg konkretisiert:

Das stimmt. Aber nicht mehr ausschließlich. Immer mehr Menschen haben eine Stimme. Menschen bloggen, laden Videos auf YouTube oder Facebook hoch, schicken sich Nachrichten. Es sind also nicht mehr ausschließlich große Firmen oder Medienverlage, die Informationen bereitstellen können.

Klingt beinahe so, als hätten sich Kalwa und Zuckerberg abgesprochen: Auch Blogger sind wichtig. Vielleicht sind sie ja Freunde bei Facebook.


Altpapierkorb

Der 'Tagesspiegel' befasst sich mit dem Umzug von Sat.1 von Berlin nach München und zitiert Christoph Fisser, den Geschäftsführer von Studio Babelsberg, das nach seinen Angaben vom Umzugsbeschluss kaum betroffen sein wird, da Studio Babelsberg zu 90 Prozent für den Film produziert. Fisser sagt es frei heraus: «Die Bavaria in München kann sich freuen, sobald Sat 1 in Unterföhring Quartier genommen hat.» +++ Stefan Niggemeier nimmt sich für die 'taz' die ab Frühjahr geltende Gewinnspielsatzung der Landesmedienanstalten vor: Erstmals können Verstöße als Ordnungswidrigkeit mit Geldbußen geahndet werden, was auch bisher schon geltenden Geboten wie dem, die Zuschauer nicht in die Irre zu führen, ein ganz anderes Gewicht gibt. Restlos überzeugt ist Niggemeier von der Satzung allerdings nicht +++ 3sat-Moderatorin Tina Mendelsohn kritisiert in der «FAZ» (S. 38) «die Frauenfresser des eigenen Geschlechts» in den Medien: Sie kritisiert etwa, dass ausgerechnet drei Frauen für die «New York Times» aufschrieben, was für «eine energiegeladene Landpomeranze» Sarah Palin sei - und dass sie ihr vorwarfen, sie halte lieber eine wichtige Rede als ihre einsetzenden Wehen zu beachten. Mendelsohn: «Nur das sehr Private ist das Politische des neuen Feminismus. Das geht gut, solange man gut aussieht und jung ist. Mädchen eben.» +++ Die «SZ» (S. 15) berichtet von der Ehrung des türkischen Verlegers Aydin Dogan («Hürriyet») durch den Verband Deutscher Zeitschriftenverleger. Axel Springer hält an der Senderkette Dogan TV 25 Prozent und vertreibt in Deutschland «Hürriyet». Das 'Hamburger Abendblatt' (Springer) nimmt die Ehrung zum Anlass, auch noch von «Bild»-Chef Kai Diekmanns (Springer) süper Buch zu berichten +++ Das ZDF jedenfalls kündigte im «heute-journal» an, dass Peter Neururer Trainer von Schalke 04 wird. Er geht nach Duisburg. Die 'Berliner' berichtet. Was macht eigentlich Carmen Thomas? Die 'FR' berichtet über die Arbeitsbedingungen für Medienschaffende in Mexiko: Mexiko sei «das gefährlichste Land für Journalisten in Lateinamerika» +++ Die Strukturen des ORF stünden zur Debatte, schreibt die 'FTD': Massive Verluste haben in Österreich eine Diskussion über einen Teilverkauf (...) ausgelöst +++ Silvio Berlusconi hat einen Senator des linken «Partito democratico» als Medienaufseher eingesetzt - allerdings nicht den Kandidaten der Opposition («FAZ», S. 38) +++ Ebd.: Streit zwischen «FAZ» und «taz» um Abonnenten: Letztere werbe offensiv um abgewanderte Leser - und zwar so, dass es einen kaum wundern würde, wenn hier gleich das Nudelholz argumentierte. Man empfiehlt der von der «taz» umworbenen «FAZ»-Leserin Hanne daher gerne: «Ach, Hanne, hör besser gar nicht hin. Und komm, ins Offene.» Auch eine Antwort auf «taz»-Chefredakteur Peter Unfrieds «FAZ»-Kritik +++

Der Altpapierkorb füllt sich wieder am Donnerstag gegen 11.00 Uhr.

 
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