Unsere Weblog-Kolumne: Werbung aus dem Keller06. Mai 07:31  |  Der Verlies-Eingang von Amstetten | Foto: AP |
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Das Verbrechen von Amstetten beschäftigt auch die Blogger. Sie schimpfen die Medien aus und reißen Witze, doch von feministischer Analyse keine Spur. Außerdem: Das Internet schreibt einen Offenen Brief. Der Blogblick.
Österreich liefert der Bloggeria jetzt nicht mehr nur die
Software,
sondern auch die Themen. Amstetten also.
Für Google-Ads - also die Werbeabteilung des Suchmaschinenbetreibers - ist der Ort zur Zeit als Schlüsselwort bares Geld wert, zeigt das Blog Wissen belastet mit einem Screenshot. Drei Nachrichtenportale machen mit dem Begriff auf sich aufmerksam, unter anderen das Portal oe24.at.
Wissen belastet
schimpft:
«Da zeigt sich wer Boulevard in Österreich ist, das Adsense-Keywort 'Amstetten' zu belegen um für die Stories über dieses Verbrechen in der Tageszeitung 'Österreich' zu werben, finde ich eine Frechheit!»
Sabine Mühlisch, Veranstalterin von Seminaren zur Körpersprache, kann bei der Boulevard-Schelte
anlegen:
«Gestern war mal wieder RTL bei mir und wollte Kommentare, Analysen körpersprachlicher Art zu dem Menschen F. (...) Der Sender wollte von mir Aussagen dazu, wie wir zukünftig erkennen können, wenn uns 'solch' ein Mensch begegnet. 'Frau Mühlisch, wo ist non-verbal das Böse, der Inzest, die Gewalt zu erkennen?' Auf diesem Video und körpersprachlich sowieso nicht! Meine wahrhaftigen Gedanken wollte RTL naturgemäß nicht wissen. Sie wollten von mir, dass ich den Finger darauf lege und zweige: 'Da!' Und damit Millionen von ähnlich gestalteten Männern in dieses Licht stelle.»
Hirnschrittmacher
kritisiert
am Beispiel «Spiegel Online» die Medien als solche: «An dieser Stelle sollte sich die Presse die Freiheit nehmen, nicht zu sehr in die Privatsphäre der Opfer einzudringen. Was an Informationen zugänglich ist, sollte der Öffentlichkeit reichen, sich ein Bild machen zu können; dazu bedarf es nicht, zu jeder sich bietenden Gelegenheit eine interaktive Karte des Tatorts einzublenden.»
Österreich als das Belgien von heute - diese Witze waren schnell gemacht. Gibt es noch andere? rzr, lightyears, le dernier cri, fragt sich: «Warum hat eigentlich noch niemand einen dämlichen Kommentar zum Haus der Familie F. gebracht?» Und übernimmt den Job
gleich selbst:
«Das Ding sieht doch schon ganz banal betrachtet so aus, als sei es dem Albtraum eines mittelschlechten Architekten entsprungen. Hätte mir jemand im Vorbeigehen im Nebensatz gesagt in diesem Haus würde ein Familienvater seine Kinder terrorisieren, ich hätte es ihm sofort abgenommen.»
Batz, Batzlog, hat einen
Mitschnitt:
«Frau F bekommt einen Anruf im Krankenhaus.» Myscantonic, Weltenweiser,
witzelt:
«In Deutschland hätte das nicht passieren können! Im Keller befand sich ein Fernseher, ergo hätte die GEZ das Ganze sofort aufgedeckt.»
Gingerbox, liquid center, beklagt, das Thema spiele in den Blogs eine auffallend geringe
Rolle:
«Wie gründlich jedes feministische Wissen aus der Öffentlichkeit ausgeschlossen wurde, all die Analysen, die Arbeit von 30, 40, 100 Jahren vergebens, als hätten sie nie existiert. in den Medien: die Identifikation mit dem Täter, durchgängig, seine Potenz, seine technischen Fähigkeiten, das anständige Leben in der Öffentlichkeit, die Formulierungen, die man für ihn findet, nachdem man ihn als Monster bezeichnet hat, könnten fast auf jeden passen. Danach wird sofort die Schuld der Frau zugeschoben, die etwas merken hätte müssen, die etwas tun hätte müssen, dass sie auch ein Opfer gewesen sein muss, bemerkt offenbar niemand.»
Gingerbox verweist außerdem auf Elfriede Jelineks aktuellen
Text
«Im Verlassenen».
MEHR IM INTERNET: Kommentare der Woche |
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Anhang
Offener Brief: Das Internet schreibt einen Offenen Brief an Frau Merkel und veröffentlicht ihn in sich selbst.
Unter anderem auf
Tim Pritloves «The Lunatic Fringe»: «Sie haben einen Brief von einhundert selbstlosen Kulturschaffenden erhalten, die aufgrund der unmoralischen Nutzung des Internets in Sorge sind, dass der Nachwuchs demnächst für sein Geld dauerhaft hart zu arbeiten gezwungen sein könnte und niemand mehr mit einem einzigen Supererfolg für alle Zeiten ausgesorgt haben wird.» Der Brief ist eine Persiflage auf einen Brief von 200 Künstlerinnen und Künstler an die Bundeskanzlerin, in dem diese einen besseren Schutz ihres geistigen Eigentums
fordern.
+++ Tristesse der Stewardesse: Wer sich beim Smalltalk als Anwalt oder Arzt zu erkennen gibt, sollte in der Lage sein, noch an Ort und Stelle die intimsten Details aus Scheidungskriegen oder die unappetitlichsten Krankheitssymptome wildfremder Menschen zu deuten und Erfolgsaussichten bzw. verbleibende Restlebenszeit einigermaßen exakt zu schätzen.
Nicht viel besser
geht es Flugbegleiterinnen - Frau Klugscheisser, Kluges und Scheiß: «I've had the taste of danger». +++ Links her!: Burks, Burks' Blog, macht sich über die Verlinkungsfeigheit der traditionellen Medien
lustig:
«'Auf einer islamistischen Website' ist bekanntlich ein Running gag. Danach kommt in deutschen Medien, wie ich mehrfach anzumerken pflegte: Wir haben uns das angesehen, festgestellt, dass unser Publikum angesichts der Inhalte sittlich gefährdet würde, und deshalb verraten wir ihm nicht die Adresse.» Schließlich sucht er selbst die ominöse Website. Und findet sie. +++ Hamburg: Ein Konsonant sagt mehr als tausend Worte. Erasmus von Meppen, Gebülde nicht Gelübde,
kommentiert
die erste schwarz-grüne Regierung. Wilder Spargel,
gesammelt von
Dr Sno*, Dr.Sno* Daily: «Der ist im übrigen selbst roh beim Vorbeigehen gefuttert schon saulecker.»
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