Alternative Energien, alternative Lieferanten:
Brüssel macht sich auch für Atomkraft stark
13. Nov 2008 18:57
 |  EU-Kommissionspräsident Barroso: Ersatz von Reaktoren | Foto: AP |
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Energie wird teurer, Europa braucht mehr davon und ist in hohem Maße abhängig von wenigen Lieferanten - alles Gründe, um sich an einen grundlegenden Umbau zu machen: Spare, Spare, Meiler, Windkraft und Solaranlagen bauen.
Die EU-Kommission will die Abhängigkeit Europas von fossilen Brennstoffen und den Rohstoff-Ländern bekämpfen. Die Kommission forderte in Brüssel, massiv in Windparks zu investieren. Rund ums Mittelmeer solle zudem ein «Energie-Ring» entstehen, der Solarstrom in europäische Haushalte bringen und so die Abhängigkeit von den derzeitigen Lieferanten verringern soll.
«Wir müssen den Teufelskreis steigenden Energieverbrauchs und zunehmender Importe durchbrechen», forderte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. Laut Barroso müssen derzeit über 50 Prozent der in Europa verbrauchten Energie aus anderen Regionen eingeführt werden. Die Europäer müssten deshalb Energie sparen und verstärkt in heimische Energiequellen investieren.
Lob für die Atomkraft aus Brüssel
Neben Wind- und Sonnenergie setzt die EU-Kommission dabei auch auf die Atomkraft. Die 148 Atomreaktoren in der EU deckten gegenwärtig rund ein Drittel des Stromverbrauchs ab und produzierten kaum Treibhausgase, betonte die Brüsseler Behörde. Vor diesem Hintergrund würden «Entscheidungen über eine Laufzeitverlängerung, neue Investitionen oder den Ersatz von Reaktoren jetzt akut». Die Kosten für Energie pro EU-Bürger belaufen sich nach Barrosos Angaben auf 700 Euro jährlich, insgesamt sind es rund 350 Milliarden Euro pro Jahr. Allein im vergangenen Jahr seien die Energiepreise in der EU um rund 15 Prozent gestiegen. Außer in die Produktion will die Kommission auch auf der Nachfrageseite an der Preisschraube Einfluss nehmen.
Auch auf der Nachfrageseite ansetzen
Um den Energieverbrauch zu reduzieren, will die EU-Kommission Hausbesitzer europaweit bei größeren Renovierungen zu Klimaschutzmaßnahmen verpflichten. Der Energieverbrauch könne damit um fünf bis sechs Prozent gesenkt werden, so die Kommission. Zudem schlug sie ein Kennzeichnungssystem für Autoreifen vor, um Verbraucher über deren Auswirkungen auf den Benzinverbrauch zu informieren. Der Reifenwiderstand könne den Spritverbrauch eines Autos um bis zu zehn Prozent erhöhen
Da der Anteil der Gas- und Öl-Importe aus dem Ausland trotz Sparanstrengungen und des Ausbaus alternativer Energiequellen weiter steigen wird, will sich Brüssel zumindest um eine Verminderung der Abhängigkeit von Russland bemühen, dem wichtigsten Energielieferanten der EU.
Gas-Pipeline vom Kaspischen Meer
Dazu soll der seit langem geplante Bau einer Gas-Pipeline vom Kaspischen Meer nach Europa vorangetrieben werden. Als Konsequenz aus den wiederholten Liefer-Unterbrechungen Russlands an Transitländer wie die Ukraine und Weißrussland, die sich teilweise auch in der EU bemerkbar machen, schlug die Kommission außerdem die Entwicklung eines Krisenreaktionsmechanismus vor. In der Bundesregierung stießen die Vorschläge aus Brüssel auf ein geteiltes Echo. Während CSU-Wirtschaftsminister Michael Glos besonders begrüßte, dass die Kommission «in der Kernenergie einen wichtigen Teil des Energiemix sieht», kritisierte Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) diesen Bestandteil des Pakets als «tendenziöses, einseitiges Atom-Papier». Insgesamt begrüßte aber auch SPD-Politiker Gabriel das Paket. Die Vorschläge zum Energiesparen reichten jedoch nicht aus, um das Ziel einer Reduzierung des Energieverbrauchs um 20 Prozent bis 2020 zu erreichen. (AP)