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«Die Einheitsgemeinde muss erhalten bleiben»

07. Jul 2006 07:08
Charlotte Knobloch
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Der Zentralrat der Juden hat Fehler bei der Integration von Juden aus der Ex-Sowjetunion eingeräumt. Deshalb dürfe aber nicht das Prinzip der Einheitgemeinde in Frage gestellt werden, warnte Präsidentin Knobloch.

Netzeitung: Jüdisches Leben in Deutschland lebt von lebendigen jüdischen Gemeinden. Sind Sie zuversichtlich, dass durch die Zuwanderung aus der ehemaligen Sowjetuinion Dynamik hinein kommt?

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Charlotte Knobloch: In der Vergangenheit sind hier leider Fehler gemacht worden. Die jüdischen Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion konnten nach Deutschland einreisen, um die jüdischen Gemeinden zu stärken. In größeren Gemeinden war das ein voller Erfolg. Allerdings wurden einige Zuwanderer in Orte geschickt, in denen es keine jüdische Gemeinde mehr gibt.

Netzeitung: Welche Folgen hatte das?

Knobloch: Sie trafen auf ganz schwierige Verhältnisse. Es gab für sie als Juden keine Infrastruktur: keine Synagoge, kein Rabbiner, keine Schule, keinen Kindergarten. Zu glauben, dass die Betroffenen dann 30 Kilometer weiter fahren, um eine jüdische Einrichtung zu besuchen, erwies sich als Fehleinschätzung. Auf diese Weise sind uns wertvolle Zuwanderergruppen verloren gegangen.

Netzeitung: · Ist unter den gegenwärtigen Bedingungen das Prinzip der Einheitsgemeinde gefährdet?

Knobloch: Eine Spaltung muss vermieden werden. Dazu sind wir zu wenige. In Amerika, wo Millionen Juden leben, kann es die verschiedenen Strömungen mitsamt ihren teilweise kulturellen Differenzen geben. Hier in Deutschland müssen wir darauf achten, dass die Einheitsgemeinde erhalten bleibt. Eine Spaltung wäre ein Rückschlag für unsere Bemühungen, Juden in großer Zahl in Deutschland anzusiedeln.

Netzeitung: · Können Sie die Probleme alleine lösen oder braucht der Zentralrat verstärkt die Unterstützung des Bundes und der Länder. Müssen Staatsverträge eventuell auf den Prüfstand?

Knobloch: In erster Linie müssen die Staatsverträge überprüft werden. Mit jedem Zuwanderer erhöhen sich auch die finanziellen Aufwendungen. Allein bei den Sprachkursen ist es notwendig, dass es eine Förderung gibt. Staatsverträge haben eine gewisse Laufzeit. Da ändert sich vieles. Insofern darf die Unterstützung von Bund, Ländern und Kommunen nicht zurückgefahren werden.

Netzeitung: Welche Funktion hat der Staat, außer, dass er Geld zur verfügung stellt?

Knobloch: Die öffentliche Hand nimmt auch eine gesellschaftliche Verantwortung wahr. Denn in den Sprachkursen vermitteln wir jungen Zuwanderern nicht nur die deutsche Sprache, wir bringen ihnen auch die deutsche Kultur nahe.

Mit Charlotte Knobloch sprachen Michael Maier und Dietmar Neuerer


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