13. Nov 2008 16:39
Die Bundesregierung schenkt Käufern von Neuwagen die Kfz-Steuer. Die
sprach mit dem Essener Volkswirt Dudenhöffer über den zu erwartenden Effekt und darüber, was sinnvoller gewesen wäre.
Ferdinand Dudenhöffer: Ein großer Geländewagen mit Dieselmotor schneidet am besten ab. Ein Student mit einem Kleinwagen hat durch den Steuererlass dagegen nur einen vergleichsweise geringen Vorteil, so etwa 80 bis 150 Euro im Jahr.
Netzeitung: Welche Absatzerwartungen verbindet die Branche mit dem Steuer-Erlass? Dudenhöffer: Der Effekt ist gleich Null.
Netzeitung: Null? Da könnte sich die Regierung den Steuererlass auch sparen.
Dudenhöffer: Der Plan ist ja auch falsch. Ford und Opel haben in Briefen an Kanzlerin Merkel darum gebeten, eine Verschrottungsprämie einzuführen, also Käufern Geld dafür zu erstatten, dass sie ihr Altauto abstoßen und ein neues kaufen. Die Konzerne brachten damit zum Ausdruck, dass sie den Steuererlass gar nicht wünschen. Netzeitung: Der Verband der Automobilhersteller hat den Plan jedoch ausdrücklich begrüßt...
Dudenhöffer: Unter der Hand sagen alle Automobilkonzerne, dass eine Verschrottungsprämie viel mehr nützen würde. Einige trauen sich das nicht öffentlich zu sagen, GM und Ford waren die einzigen, die es der Kanzlerin offen vortrugen.
Netzeitung: Die Politik befürchtet bei der Verschrottungsprämie Mitnahmeeffekte, wie etwa die Einfuhr von Schrottautos, um die Prämie abzugreifen.
Dudenhöffer: Selbst die Steuerbefreiung wird auch nur mitgenommen. Ob dem Käufer nun 150 Euro erlassen wird oder selbst 1000 Euro – wenn das Auto 70.000 Euro kostet, fällt das nicht mehr ins Gewicht und bewirkt auch nichts. Im Markt ist jede Menge Rabatt drin, die erlassenen Beträge sind da kein Kaufanreiz. Der Zusatzeffekt des Steuererlasses ist gleich null. Hier wird Steuergeld für Mitnahmeeffekte ausgegeben.
Netzeitung: Wie ist zu vermeiden, dass mit Altautos getrickst wird, um eine mögliche Verschrottungsprämie mitzunehmen?
Dudenhöffer: In Ländern wie Italien etwa erhält der Käufer, der ein altes Auto ein halbes Jahr auf seinen Namen zugelassen hatte und verschrottet, einen Zuschuss für den Kauf eines neuen Fahrzeugs. So ist Betrug ausgeschlossen. So sind zugleich auch alle Firmenkunden ausgenommen, die Subvention käme nur dem Privatbürger zugute.
Würden Industrie und Staat gemeinsam eine solche Prämie finanzieren, wäre auch in Deutschland der gewollte Effekt zu erreichen: zusätzlicher Absatz von Neufahrzeugen.
Netzeitung: Seit langem ist die CO2-abhängige Steuer im Gespräch, die aber nach derzeitigem Stand nicht vor 2011 kommen soll. Wäre es nicht auch aus ökologischen Gründen konsequent gewesen, diese Steuer schnell vorzuziehen?
Dudenhöffer: Das wäre die bessere Lösung, die Sicherheit für Investoren und Privatkäufer schaffen würde. Doch die Politik doktort seit zwei Jahren an der CO2-Steuer herum, man kommt in Berlin einfach nicht vorwärts. Verkehrs- und Umweltminister verkündeten schon vor Jahren halbfertige Lösungen, ohne sie zu Ende zu denken. Seitdem steckt die CO2-Steuer fest.
Der Volkswirt und Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer (bisher Fachhochschule FH Gelsenkirchen) hat zum Wintersemester 2008/2009 den neuen Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften der Universität Duisburg-Essen übernommen. Mit ihm sprach Tilman Steffen.